Autor: Martin Priester

IT-Sicherheit wird zum zentralen Kompetenzbereich für Berufsbilder der Zukunft

05. Oktober 2017

Die digitale Transformation führt dazu, dass mittlerweile kaum ein Berufsbild mehr ohne IT-Kenntnisse auskommt. Dabei zählt zukünftig nicht mehr nur, dass man die für die jeweilige Tätigkeit notwendigen Software-Anwendungen nutzen kann. In immer mehr Berufszweigen zählen bald auch Programmierkenntnisse und IT-Sicherheitswissen zu den Anforderungen an die Bewerber.

Schon jetzt werden Kandidaten von vielen namhaften Unternehmen umworben, die Informatik studiert haben und sich mit Innovationsthemen wie mobile Apps, Virtual oder Augmented Reality und Künstlicher Intelligenz auskennen. Laut zahlreicher Studien wächst derzeit kaum ein Arbeitsmarkt so rasant wie der für IT-Fachkräfte. Der Grund ist: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, setzt mittlerweile jedes Unternehmen auf digitale Geschäftsprozesse und -modelle, seien es Webshops, Cloud-Services oder mobile Apps.

Lebenslanges Lernen eröffnet Chancen für die Zukunft

Zukünftig wird von fast jedem Mitarbeiter erwartet, dass er zumindest ein grundlegendes Verständnis der eingesetzten Informationstechnologien mitbringt – und bei allen Projekten digital denkt. Beliebte Plattformen, auf denen Unternehmen nach jungen, digital denkenden Talenten suchen, sind sogenannte Hackathons. Hier treffen oft Studierende aus den verschiedensten Fachrichtungen aufeinander, um Digitalprojekte innerhalb kürzester Zeit umzusetzen. Programmieren muss dabei nicht jeder können; Projektmanager und Ideengeber sind genauso gefragt. Aber auch sie müssen in der digitalen Welt zuhause sein.

Nachfolgende Generationen von Arbeitnehmern werden vermutlich das Programmieren in der Schule lernen wie lesen, schreiben und rechnen. Aktuell ist jedoch ein hohes Maß an Weiterbildung gefordert und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen wird immer wichtiger. Denn die digitale Transformation führt auch zu einer drastischen Verkürzung der Halbwertszeit des erlernten Wissens. Laut einer Studie des Karrierenetzwerkes LinkedIn ist daher Wissensmanagement - also die Fähigkeit, sich schnell neues Wissen anzueignen und an neue Anforderungen anzupassen - die Schlüsselqualifikation der Zukunft. Demnach wird neben dem Grundverständnis für Programmierung und Digitalisierung die Kompetenz zum lebenslangen Lernen deutlich an Bedeutung gewinnen.

Cybersecurity-Wissen als Jobgarantie

Laut der aktuellen IDG-Studie „IT-Jobs 2020“ gehen über 70 Prozent der befragten Führungskräfte davon aus, dass die Nachfrage nach Security-Experten bis 2020 auf dem IT-Arbeitsmarkt am stärksten steigt. Schon heute haben Sicherheitsspezialisten die Führung im Gehaltsranking der IT-Fachkräfte ohne Personalverantwortung übernommen. Denn der Schutz vor Cyberangriffen ist mittlerweile für alle Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Jeder kleine Handwerksbetrieb, jedes mittelständische Unternehmen und jeder DAX-Konzern muss heute seine Kundendaten schützen und braucht entsprechende Schutzvorkehrungen. Dabei vergrößert sich die digitale Angriffsfläche im Zuge der zunehmenden Vernetzung im Internet of Things rasant. Traditionelle Lösungen wie Firewalls und Virenscanner alleine reichen nicht mehr aus. Genauso wichtig sind Security-Konzepte, mit denen Unternehmen schnell erkennen, wenn ihr Netzwerk gehackt wurde und sich durch entsprechende Analysen zukünftig vor ähnlichen Angriffsmustern schützen können. Sicherheitsexperten, die sich auf Spezialdisziplinen wie IT-Forensik fokussiert haben, gibt es allerdings zu wenige auf dem Arbeitsmarkt.

Zukunftstrends „Ethical Hacking“ und Künstliche Intelligenz

Security-Experten sind ohnehin bereits Mangelware, was viele Unternehmen jetzt schon dazu zwingt, diesen sensiblen Bereich an Dienstleister outzusourcen, mit freiberuflichen Externen zusammenzuarbeiten oder ihre Fachkräfte fortzubilden. Großes Zukunftspotenzial haben hier vor allem Weiterbildungsangebote, die aus IT-Spezialisten „ethische Hacker“ machen – Analysten, die wie Cyberkriminelle denken und mittels Social Engineering oder Penetrationstests gezielt nach Schwachstellen im Unternehmensnetzwerk suchen, um sich besser vor tatsächlichen Hackerattacken schützen zu können.

Als relativ junger Trend zeichnet sich zurzeit ab, dass einige fortschrittliche Unternehmen Technologien einsetzen, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, um Systeme auf Schwachstellen hin zu überprüfen oder Daten nach Auffälligkeiten zu untersuchen. Das ist schneller und kostengünstiger als Experten hierfür einzustellen. Außerdem lernen KI-Sicherheitslösungen mittels Machine Learning aus unzähligen Codezeilen und ziehen daraus Rückschlüsse auf potenzielle Angriffsmuster – eine Aufgabe, die in diesem Umfang von menschlichen Mitarbeiter nicht zu leisten ist. Dennoch müssen sich Cybersicherheitsspezialisten in Zukunft mit KI-Lösungen auskennen, sowohl um sie selbst zu nutzen, als auch um sie als Angreifer zu identifizieren. Daher wächst die Bedeutung berufsbegleitender Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote, die sich wie das Seminarprogramm der Fraunhofer Academy auf spezifische, aktuelle Themen fokussieren.